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February 23, 2009

KOMA BABY LEBT!

Irgendwo im hedonistischen Moloch der Hauptstadt, die so langsam aus dem Rausch des so treffend als “Nuller-Jahre” bezeichneten Jahrzehnts erwacht, ist der Berliner Musiker Daniel Baumann angesiedelt, und reibt sich mit seinem neuen Album “Koma Baby Lebt!” selbst die Augen.

Genau wie beim ersten Album “Bock auf Aphorismen” (Labels/2005) verwischt er dabei ebenso launisch wie pointiert die Grenzen zwischen ernst gemeinter Sozialkritik und lässiger “Leck-Arsch-Einstellung”. Seine Musik steht für ein Lebensgefühl, das so wenig zu greifen ist und das doch jeder kennt. Ein Gefühl, dass sich nicht entscheiden muss zwischen Gitarre und Elektronik, zwischen Ernsthaftigkeit und Ironie. Kein Geld, aber Verve. Kein Ehrgeiz, außer für die Kunst: Nachlader ist die proletarische Boheme!

Der Nachlader kann, will und muss nicht verheimlichen, wes’ Geistes Kind er ist: Musikalisch wird der Bogen zwischen Kraftwertk, Devo, DAF und Daft Punk bis zu den Antitexten von Mediengruppe Telekommander gespannt, hemmungslos im Elektroclash, im Rock, im HipHop gewütet. 2010 ist Rock’n’Roll nämlich genau hier angekommen: Abgehfaktor der 70er, Instrumentfamilien der 80er, Ausgehattitude der 90er, Sophistication der 00er. Und die Texte? Das sind echte Parolen der 10er Jahre, wie der Berliner mit der bereits erschienen Single „Soll/Haben“ einmal mehr unter Beweis stellen konnte: „Warum muss ich immer Soll haben, obwohl ich Haben haben soll?“

Mit seinem pointierten Witz fern aller trendbewussten Lauheiten schuf er dabei beinahe beiläufig den persönlichen Tanzsong zum weltweiten Finanzcrash. Das ist moderner, musikalischer und konsequenter Anarchismus! Auf „Koma Baby Lebt“ trifft eben elektronische Tanzmusik auf deutsche Texte mit verblüffender Logik. In „Air Italia“ geht er auf eine Reise, bei der der Weg das Ziel ist; in „Trampolin“ erzählt er genial-surreal die Geschichte eines Menschen, der zu hoch hinaus will; „Allein“ ist eine hintergründige Hymne an die Einsamkeit.

Der Nachlader ist eins der Atari-Kinder mit wahnsinnig vielen Ideen, aber der nötigen Coolness, sie nicht zu verschleudern. Gezielte Aktionen wie “Nachlader spielt Bank-Rock”, bei der die Band kurzfristig per iphone angekündigte, illegale Konzerte in Bankvorräumen gab, löste Begeisterung bei Fans und Bankkunden aus. In diesem Sinne wird es weitergehen. Es sich lohnt sich also, stetig an Straßenecken, Imbissbuden und sonstigen öffentlichen Plätzen die Augen offen zu halten…

Das selbst produzierte neue Album mit dem Titel „Koma Baby lebt” erscheint Mitte April 2010 auf dem eigenen Label “BoingBoingRecords”. Der Albumtitel ist ein Zitat aus dem Roman “Bright Lights, Big City” von Jay McInernery, einer geistreichen Farce auf das Großstadtleben der achtziger Jahre, die mit Michael J. Fox und Kiefer Sutherland in den Hauptrollen verfilmt wurde.