Spamalamadingdong!
July 19, 2010
Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass eine Mail meines Anwalts noch rechtzeitig von mir im Spam-Ordner meines Mailprogramms entdeckt wurde!
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich es nicht entdeckt hätte. Immerhin geht es um eine beträchtliche Erbschaft.
Farayi Dudley ist der vertrauenserweckende Name des Advokaten, der keine Kosten und Mühen gescheut hat, um mich im unendlichen Wust des www aufzustöbern.
Aber lest selbst und nehmt teil an meiner Freude, endlich ein reicher Mann zu sein!
Hier die Mail im Originalwortlaut. Das Deutsch ist noch verbesserungsfähig, aber allein die gute Absicht zählt.
Viel Spass damit!
Ach ja, die Mailadresse des guten Mannes steht natürlich auch in der Mail. Ich bin mir sicher, dass er sich über Mails von Euch freut! Vielleicht habt Ihr ja auch eine Erbschaft gemacht?
DRINGEND!
Hallo Freund,
Ich vermute, dass diese E-Mail ein ьberraschend fьr Sie sein wird, aber es ist wahr.Ich bin ein “verify-Routinen in meiner Bank (Standard Bank of South Africa), wo ich arbeite, gestoben in einem Konto, das nicht den Anspruch erhebt getroffen worden zu sein ist, wem Ehre derzeit $ 9.500.000 (Neun millionenfunfhundert US-Dollar).
Dieses Konto gehurt Herr Manfred Becker, der einKunde in unserer Bank, der leider verstorben war. Herr Becker war eingeburtiger Deutsch.
So ist es mцglich fьr mich, dass das Geld Verwendung von $ 9,500,000 erhцhte ich die Kooperation mit einer auslдndischen Partner wie Sie markieren, kann ich als Verwandter und Erbe des verstorbenen Herrn Becker vorstellen, so dass wir das Geld inanspruch nehmen kann.
Fьr die Anhдnger erhalten Sie 30% des gesamten Immobilien-und die restlichen 70% stimme ich mit meinen beiden Kollegen, unterstutzen.Wenn mich in diesem Geschдft auch mirmit Sie interessiert sind, kцnnen Sie mich per E-Mail, damit ich Ihnen weitere Informationen senden kцnnen sein. Bitte senden Sie Ihre Antwort auf diese E-Mail: farayidudley@yahoo.de.
Mit freundlichen GrьЯen,
Herr.Farayi Dudley.
Multitasking
July 5, 2010
Jetzt, wo meine Computer wieder laufen und die Zeit wieder mehr mein Freund ist, komm ich endlich dazu, mich ausführlich über das eine oder andere auszulassen, und fange heute gleich mal mit dem an, was Männer allgemein als Multitasking bezeichnen.
Im Gegensatz zu Frauen, die gleichzeitig telefonieren, promovieren und imprägnieren können, beschränkt sich das Multitasking bei Männern nämlich auf nur scheinbar funktionierende Kombinationen von Tätigkeiten.
Ein besonderes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass viele Männer sich dafür rühmen können, gleichzeitig blinken und abbiegen zu können, was aber mitnichten ein Triumph der männlichen synaptischen Bahnen ist, sondern eine Gefahr für den gesamten Straßenverkehr.
So bin ich auf vereister Landstraße in der Nähe von Bamberg nur knapp dem Tod entronnen beim Versuch einem Multitask-Autofahrer in letzter Sekunde auszuweichen. Diesen hatte die Aussicht auf Schnitzel und Bier dazu verleitet blinkenderweise den Passat meines Vaters zu schneiden, um auf dem Parkplatz einer Landgaststätte einkehren zu können.
Auf meine mit vor Todesangst hochrot gefärbter Birne vorgetragenen Hasstiraden entgegnete er nur kühl: “Ich hab doch geblinkt”, und widmete sich wieder seiner Brotzeit.
Also, Männer, versucht es gar nicht erst. Es endet in bitterer Pein für Euch selbst oder doch zumindest für andere. Macht einfach eines nach dem anderen, so wie ich. Dadurch lebt man nicht nur länger, das Leben kommt einem auch noch wesentlich länger vor…
Aufruf!
April 28, 2010
Wie einige von Euch vielleicht schon mitbekommen haben, bin ich ja ein recht fussballaffiner Typ. Und als solcher ist mir gestern beim Champions League Halbfinale zwischen Lyon und den Bayern eine grandiose Idee gekommen, die sich auch problemlos auf andere, fussballfremde Anlässe übertragen lässt.
Ich möchte nämlich gerne die exquisiteste und seltenste T-Shirt-Sammlung der Welt aufbauen!
Denjenigen von Euch, die das Spiel gestern gesehen haben, ist vielleicht aufgefallen, dass die Bayern nach Abpfiff sofort in frische Shirts geschlüpft sind, auf denen “Finale Madrid” oder sowas zu lesen war.
Und höchstwahrscheinlich hatte auch Olympique Lyon etwas ähnliches vorbereitet. Die Bayern-Shirts waren nach dem Spiel ja deutlich zu sehen. Aber die von Lyon blieben natürlich schamhaft im Karton versteckt.
Meine Idee ist jetzt, dass man Sieger-Shirts von allen gescheiterten Sportexistenzen sammelt. Also in diesem konkreten Fall das von Lyon.
Schon in zwei Wochen gibt es da die nächsten Gelegenheiten. Das “Unabsteigbar”-Shirt von Bochum zum Beispiel (nachdem sie gerade abgestiegen sind…). Oder “Europa, wir kommen” vom VfB Stuttgart kurz nachdem sie den Europacup verpasst haben.
Denkbar wären aber auch alle möglichen anderen Sportarten. Oder auch komplett andere Bereiche. Zum Beispiel “Forever Kanzler”-Shirts mit Frau Merkels Konterfei nach der nächsten Wahlniederlage.
Schlicht und ergreifend eine Sammlung von Shirts, die niemals öffentlich gezeigt worden sind, weil der Anlass wider Erwarten doch nicht zustande kam.
Also, wenn Ihr bei Fussballvereinen, politischen Gruppierungen oder sonstigen siegesgewissen Vereinigungen arbeitet (oder jemanden kennt, der jemanden kennt…), dann versucht doch mal eines dieser gescheiterten Shrits zu ergattern, und nehmt Kontakt mit mir auf.
Vielleicht wird ja daraus eines Tages mal ein Museum des Scheiterns? Sozusagen das “Theatre of Broken Dreams”.
Also, meldet Euch bei mir! Ich bin gespannt…
Sommergrippe…and the living ain’t easy. :(
April 22, 2010
Ich hab mich ja schon mal ausführlich darüber ausgelassen, wie furchtbar und unerträglich der Winter in Berlin ist. Und dieser Winter war ja mal besonders furchtbar und ätzend lang (selbst jetzt noch nähern sich die Temperaturen ja nachts dem Gefrierpunkt!).
Um so ärgerlicher ist es dementsprechend, wenn man pünktlich zu den ersten richtigen Sonnenstrahlen mit einer Sommer- (oder besser Frühjahrs-)grippe, inklusive Wärmflasche, warmer Milch mit Honig und heisser Zitrone, den ganzen Tag im Bett liegen muss.
Zugegebenermassen gibt es Szenarien, in denen der Gedanke, den ganzen Tag im Bett zu verbringen positive Assoziationen weckt. Davon bin ich allerdings schnodderiger- und heisererweise meilenweit entfernt. Zumindest geht es aber jetzt schon wieder ein bisschen besser, und ich kann zumindest mal wieder ein Lebenszeichen hinterlassen und derbe auf Mitleid machen. ![]()
Also, etwaige Beileidsbekundungen einfach als Kommentar posten! Sobald 100 zusammen sind, geht’s mir bestimmt wieder gut!
Es liegt also an Euch!
Familienfeiern
March 4, 2010
Nachdem ich in letzter Zeit ja eher über aktuelle Entwicklungen bei Nachlader berichtet habe, schaff ich es heute mal wieder, über ein allgemeineres Thema zu philosophieren, wenn auch aus aktuellem persönlichen Anlass.
Letztes Wochenende war ich ja, wie bereits erwähnt, bei meinem Bruder und seiner Familie in Dublin, um dort Taufpate meines bezaubernden Neffen Sammy zu werden. Dabei kam ich nicht umhin, deutliche Unterschiede zum mir von Kindheit an vertrauten Ablauf von derartigen Familienfesten festzustellen.
Sicher, damals habe ich mich oft vor solcherlei Feierlichkeiten gegruselt.
Schon als kleiner Junge war es mir und meinem älteren Bruder ein Greuel, wenn Tante Elli uns gleich nach Betreten der Wohnung mit einem dicken, feuchten Schmatzer die Freude am Küssen für ungefähr ein Jahrzehnt verdarb. Dadurch wurden Omas Geburtstag, Erstkommunionen und andere Anlässe zum nervlichen Drahtseilakt. Manchmal haben wir uns sogar vor ihr versteckt.
Später war es dann vor allem das Weihnachtsfest, dessen Ablauf für mich zum Synonym einer verlogenen, oberflächlichen Welt wurde. War es nicht merkwürdig, dass meine Mutter schon vom frühen Morgen an puren Stress und negative Energie verbreitete, um dann zehn Minuten vor der Bescherung rasant umzuschwenken und heile Welt zu spielen? Meine pubertierenden Freunde und ich sorgten ab unserem 15., 16. Lebensjahr mit nachweihnachtlichen Kiff- und Saufgelagen in irgendwelchen Jugendspelunken für einen protestbehafteten Gegenpol.
Aber eine Tauffeier in einem Fußballpub, inklusive schmierigen Fingerfood-Platten, unzähligen Pints und infernalischem Jubel bei jedem Treffer des FC Liverpool, kamen mir vergangenes Wochenende irgendwie noch “falscher” vor.
Um eines mal ganz klarzustellen: irgendwie war es ja auch ganz lustig und ich fühlte mich trotz des Kulturschocks durchaus recht wohl. Und der irische Teil der Verwandtschaft ahnt wahrscheinlich noch nicht mal mehr etwas von meinen Gedankengängen und schien das ganze als gelungene Veranstaltung zu betrachten.
Außerdem glaube ich, dass mein Bruder Matze diesen hierzulande wohl größtenteils als unwürdig empfundenen Rahmen klammheimlich genoss. Der kleine, 12-jährige Matze streckte uns und seiner abgelegten Vergangenheit quasi den Mittelfinger entgegen, packte ein paar Zwiebelringe von der Fingerfoodplatte darauf und schob ihn sich dann mit viel Wohlwollen in den Mund.
Als klassische Familienfeier kam mir das aber in keiner Sekunde vor.
Denn trotz der manchmal übertriebenen Ernsthaftigkeit, mit der meine Mutter Tisch und Wohnung dekorierte, das Essen zubereitete und uns in unserer Meinung nach untragbare Festtagskleidung zwängte, stand doch im Vordergrund, den Tag zu etwas besonderem zu machen. Und das gelang ihr, im guten wie im schlechten, stets mit Bravour.
Natürlich komme ich in diesem Zusammenhang nicht umhin, mir die Frage zu stellen, ob ich auf einmal spießig werde oder ob ich vielleicht doch genug von Stil und Anspruch meiner Mutter aufgesogen habe, um einen Larifari Pub-Besuch, den man auch an jedem anderen Tag in exakt der gleichen Weise erleben könnte, als nicht angemessen zu betrachten.
Und ob ich auf einmal auch Sätze wie “Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!” oder “Von nichts kommt nichts!” verstehe.
Aber keine Sorge, so weit ist es glücklicherweise noch nicht!
Vielleicht sind das ja auch einfach Fragen, die man sich gar nicht erst stellen sollte. Und gegebenenfalls täusche ich mich sogar, was die klassische “deutsche” Familienfeier angeht, und übertrage meine Erfahrungen einfach auf meinen gesamten Kulturkreis.
Im Grunde genommen geht es letztendlich darum, dass sich die Familie zusammenfindet, etwas Zeit miteinander verbringt, alte Bande stärkt und neue knüpft und vor allem eine gute Zeit hat. Und die hatten im Endeffekt trotz anfänglicher Irritationen alle.
In diesem Sinne: Prost Sammy! You’ll never walk alone!
P.S.:
Es wäre wirklich mal interessant, ein paar Geschichten aus anderen Familien zu hören. Tut euch also keinen Zwang an, was Kommentare angeht!
Musik im Blut!
March 2, 2010
Wie Ihr ja vielleicht schon mitbekommen habt, war ich in der letzten Woche mal nicht als Musiker, sondern als Taufpate unterwegs.
Da mein Bruder vor geraumer Zeit nach Dublin gezogen ist, handelte es sich dabei um eine irische Taufe, inklusive Feier in einem klassischen, irischen Fußball-Pub, was zur Folge hatte, dass jegliches Gespräch bei einem Tor von Liverpool verstummen musste…
Naja, andere Länder, andere Sitten.
Auf jeden Fall hab ich aber mit Erfolg versucht, meinem Neffen die Musik schon mal ein wenig näher zu bringen. Ich warte ja schon mein ganzes Leben darauf, dass es endlich eine zweite Person in meiner Verwandtschaft gibt, die damit etwas anfangen kann, und habe berechtigte Hoffnung, dass der kleine Sam eines Tages mal in meine Fußstapfen tritt.
Die Gitarre steht ihm auf jeden Fall schon mal ganz gut!
Zu guter letzt noch etwas: ich kann es nicht lassen, Euch mal ein Foto von unserer speziellen Floppy-Disk-Promo-Verpackung zur kommenden Single unter die Nase zu reiben. Da alle einzeln in Handarbeit gefertigt wurden, war das ne ganze Menge Arbeit, und es wäre doch schade, wenn das “nur” die Musikredakteure der Radio-Sender zu Gesicht bekommen würden…
So, das war’s für heute. Ich meld mich morgen wieder!
The Making of Pommes!
February 23, 2010
Wie der vieldeutige Titel schon andeutet, gibt es heute einen kurzen Film vom “Pommes und Disco”-Videodreh. Es handelt sich dabei um meinen ersten Versuch, selbst ein Video zu schneiden, also seid bitte nachsichtig…
Danach ist der Themenkomplex auch abgeschlossen bis das fertige Video endlich hier zu sehen sein wird, versprochen!
Eine lustige Anekdote hab ich aber doch noch. Man würde ja denken, dass das Ereignis “20 Jahre Mauerfall” von den meisten am 9.November 2009 gefeiert wurde. Einige feiern vielleicht auch erst am 3.Oktober 2010, wenn sie den Fokus mehr auf die tatsächliche Wiedervereinigung legen.
Erstaunlich ist allerdings, dass Hohen Neuendorf, das kleine, verschlafene Örtchen, in dem wir die Pommes-Bude gemietet haben, exakt am Tag unseres Drehs, also am 20.02., ein großes Volksfest anlässlich des 20-jährigen Verschwindens der Mauer gefeiert hat.
Da fragt man sich natürlich erstmal, warum ausgerechnet jetzt? Die Erklärung ist aber ganz einfach.
Denn am 20. Februar 1990 wurde das Mauerstück genau in und um Hohen Neuendorf abtransportiert, worauf sogar ein Schild am Ortsausgang hinweist. Das fand ich ebenso skurril wie sympathisch. Vielleicht sollten wir dieses historische Ereignis in Zukunft alle fernab des Mainstreams am 20.02. feiern!
Vielen Dank übrigens nochmal an die Firma Vosch Verkaufsfahrzeuge (kann ich jederzeit weiterempfehlen!) und natürlich auch an die Maria am Ufer, vor der wir dankenswerterweise drehen durften.
Und jetzt viel Spaß mit dem Making of!
Bilder vom Pommes und Disco - Videodreh!
February 21, 2010
Jetzt also endlich die versprochenen Bilder vom Videodreh am vergangenen Mittwoch.
Vielen Dank nochmal an alle, die dabei waren!
Ich hab mich immer noch nicht so richtig erholt davon (man sollte einfach nicht bei Minusgraden im Unterhemd durch die Gegend laufen…) und weiss aus zuverlässiger Quelle, dass es Hauptdarstellerin und Regisseurin genauso geht.
Aber egal, das war es wert! Ich bin schon sehr gespannt aufs Resultat!
Ich werd heute Abend ganz in Ruhe mein Erkältung auskurieren, also Tee trinken, Olympia schauen und mich abhängen, und in den nächsten Tagen dann wieder einen längeren Blog schreiben.
Kleine Making of-Filmchen vom Video gibt’s ja auch noch zu posten!
Also, bis bald!
Einmal Bulette/Pommes und ne Disco bitte!
February 19, 2010
Nach dem anstrengenden Kältedreh von Mittwoch hab ich bisher noch nicht viel auf die Reihe gebracht.
Aber um mal wieder ein Lebenszeichen zu senden (und weil mir ja sowieso schon oft nachgesagt wurde, dass meine Blogs immer zu lang sind…) hier nur mal kurz und schmerzlos ein Link, unter dem Ihr Euch vorab schon mal nen schönen Mashup von “Pommes und Disco” runterladen könnt.
Bilder vom Dreh gibt’s dann morgen!
Axolotl Overkill - über krasse Blogs und üble Schnitzer
February 15, 2010
Der Skandal um das zumindest in Teilen als Plagiat entlarvte Erstlingswerk von Helene Hegemann und die daraus entstehende Debatte über die Unterschiede zwischen der Echtheit eines Blogs (in dem Fall der von Airen) und der literarischen Form des Romans hat bei mir unterschiedliche Gedankengänge ausgelöst.
Zum einen stellt sich mir vordergründig natürlich die Frage, ob mein eigener Blog überhaupt eine Existenzberechtigung besitzt, wenn diese laut einiger puristischer Blogger, die im Zusammenhang mit dem Skandal vermehrt zitiert werden, nur darin besteht, dass ausschliesslich persönliche Erlebnisse widergespiegelt werden; am besten drastisch und pornographisch, aber vor allen Dingen wahrhaftig.
In diesem Fall hätte ich den grundsätzlichen Gedanken, der hinter dem Bloggen steht, nämlich nicht verstanden. Oft gebe ich nur meine Meinung zu Themen ab, die mich gerade beschäftigen und das meist in einer theoretischen, eher passiven Form.
Zum anderen stelle ich mir die Frage, was alle so daran interessiert, in die durch immer heftigere Exzesse oberflächlich kompensierte tief gehende Leere wildfremder Menschen zu blicken, während uns die Personen, mit denen wir täglich zu tun haben, relativ egal sind und uns zu uninteressant erscheinen, als dass wir uns näher gehend mit ihnen beschäftigen.
Die erste Frage ist dann doch relativ schnell beantwortet. Bloggen kann man meinem Verständnis nach über alles und jeden, von Sex- und Drogenberichten aus dem Berghain über einen friedvoll-langweiligen Nachmittag mit seinen Kätzchen (darüber findet man übrigens enorm viel…) bis hin zu Film- und Literaturkritik oder dem reinen Beschreiben eines ganz normalen Büro-Arbeitstages.
Genau das macht ja auch den Reiz daran aus, dem mittlerweile 8,4 Prozent aller Internet-User erlegen sind (Facebook-User und Micro-Blogger nicht mal mehr mitgerechnet…). Jeder kann schreiben, was er will, und es vor allen Dingen auch veröffentlichen wann und so oft er will, an allen klassischen Instanzen wie Chefredaktionen und Verlegern vorbei. Ob der Blog dann tatsächlich ein Publikum findet oder nicht, steht grundsätzlich nicht im Vordergrund. Man macht es, weil man die Möglichkeit dazu hat, und zunächst hauptsächlich für sich selbst. Der Rest ergibt sich dann einfach oder eben auch nicht. Auch, ob man einfach nur Spass daran hat oder ein unbändiges Verlangen, Geschehenes zu verarbeiten, oder ob man anonym bleibt oder nicht, ist keine zentrale Frage.
Wikipedia fasst das ganze mit folgendem Satz treffend zusammen: “Das Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen.”
Die andere Frage ist schwerer zu beantworten, weil sie weitere, noch grundsätzlichere Fragen aufwirft. Obwohl ich und große Teile meines Umfeldes sich allein schon aus beruflichen Gründen häufig im Nachtleben bewegen, ist die Anzahl derjenigen, deren Lebensinhalt aus harten Drogen und schnellem Sex besteht, selbst in diesem Millieu prozentual eher gering. Die Geschichten, die von den paar Unentwegten stetig kolportiert werden - ob sie immer der Wahrheit entsprechen sei mal dahingestellt - nehmen dagegen überproportional mehr Raum ein.
Darin liegt natürlich auch eine gewisse Logik. Es ist objektiv betrachtet natürlich interessanter und ergiebiger einer Geschichte zu folgen, in der es um Clubhopping, Konflikten mit Türstehern und gewalttätigen Unbekannten, Drogenkonsum oder Gruppensex geht, als sich anzuhören, wie jemand mit seiner Freundin “Wetten, dass…?” geschaut hat und danach ins Bett gegangen ist.
Aber ob der Voyeurismus und die Faszination sich daraus speisen, dass man selbst auch gerne so wild und unvernünftig, so jung, frei und ungebunden wäre oder ob man diesen Teil einfach auslagert wie auf eine externe Festplatte und froh ist, ab und an mal den wilden Berichten zu lauschen, um dieses Leben nicht selbst führen zu müssen (und trotzdem den Schein von Coolness aufrecht zu erhalten - immerhin kennt man ja so krasse Rock’n'Roller!), hat sich mir noch nicht so ganz erschlossen.
Man muss keine besonders gute Menschenkenntnis besitzen, um zu erkennen, dass dieses Leben, dass den Spassfaktor einer unendlich andauernden Party zu haben scheint, letztendlich immer diese oben erwähnte unendliche Leere hinterlässt. Und dass die Protagonisten jener Geschichten meistens die traurigsten und einsamsten Gestalten des gesamten Freundeskreises sind.
Im Grunde genommen spiegelt wahrscheinlich beides, der Wunsch nach Exzess und der verklärende Voyeurismus, nichts anderes als Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben wieder.
“Was ich haben will, das krieg ich nicht. Und was ich haben kann, das gefällt mir nicht.” (Fehlfarben - Paul ist tot; man kann Quellen ja auch einfach angeben, Frau Hegemann!)
In diesem Sinne: es lebe Paul!


























